FONTE Stiftung zur Förderung des geisteswissenschaftlichen Nachwuchses
Aktuelle Projekte

Dr. Corinna Dziudzia (Eichstätt-Ingolstadt):
Auswahledition – Sidonia Hedwig Zäunemann (Reihe Femmes de lettres, Secession)

Sidonia Hedwig Zäunemann (1711-1740) hat ihr kurzes Leben ganz dem Schreiben gewidmet. Selbstbewusst veröffentlichte sie mit Anfang zwanzig erste Gedichte unter ihrem eigenen Namen in verschiedenen Zeitschriften. Die Universität Göttingen krönte sie zur Poeta laureata. Ihr Hauptwerk, die Gedichtsammlung Poetische Rosen in Knospen, erschien 1738 und ist der Kaiserin Anna von Russland gewidmet. Als frühe Feministin gefeiert, hinterfragt Zäunemanns Leben und Schreiben, was wir über Frauen zu Beginn des 18. Jahrhunderts zu wissen meinen. So fährt sie in ein Bergwerk ein und berichtet davon – noch in Goethes Bibliothek findet sich dieser Text. In ihren Gedichten reitet das lyrische Ich nachts durch den Wald und erkämpft sich Ruhm mit dem Schwert. In dieser Auswahledition werden die Texte der zu Lebzeiten berühmten Autorin der deutschen Frühaufklärung erstmals wieder zugänglich gemacht.

 

 

Dr. Andrea Hofmann (Leibniz Institut für Europäische Geschichte, Mainz):
In frölichkeit Sein lob außbreitt – Frauen und die Ausbildung evangelischer Frömmigkeitskulturen in der Reformationszeit und im konfessionellen Zeitalter

Wie konnten sich die Ideen der Reformation im Alltags- und Frömmigkeitsleben von Menschen etablieren? Neben Gottesdiensten und Katechismusunterricht wurden Hausandachten zum wichtigsten Ort der privaten Frömmigkeit sowie der religiösen und konfessionellen Erziehung. Gesang-, Gebets- und Andachtsbücher, die dabei verwendet wurden, waren häufig von Frauen verfasst und herausgegeben worden. Das Projekt analysiert diese bisher in weiten Teilen unbekannte Literatur und  fragt danach, wie Frauen zwischen 1520 und 1650, also seit Beginn der Reformation bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges, durch das Verfassen eigener Gebets- und Andachtsbücher und das Dichten von geistlichen Liedern zur Ausbildung evangelischer Frömmigkeit beigetragen haben.
Elisabeth Cruciger (1500-1535)

 

 

Dr. Gudrun Weiland (HU Berlin):
Sibylla Schwarz – Auswahledition (Reihe Femmes de lettres, Secession)

Sibylla Schwarz (1621 - 1638) schuf ein poetisches Werk, das in seiner Vielfältigkeit bis heute fasziniert. Als frühe Opitzianerin eignete sie sich kongenial die Regeln der neuen Poesie an, rezipierte und übersetzte aktuelle niederländische Dichtung. Bemerkenswert ist sie auch als eine der wenigen deutschsprachigen Stimmen eines weiblichen Petrarkismus; darüber hinaus erweiterte sie in ihren Sonetten das tradierte Gender-Paradigma um die Möglichkeit einer weiblich homoerotischen Lesart. Im Rahmen des Projekts wird eine Auswahl ihrer "Deutschen Poëtischen Gedichte", die 1650 posthum publiziert worden waren, ediert und im Jahr ihres vierhundertsten Geburtstages der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

 

 

Dr. des. Marlene Dirschauer (Berlin/München):
Beyond Longing. Death and Desire in Late Medieval and Early Modern English Women’s Writing

Das Projekt fordert den in der Forschung zu vormoderner Literatur immer noch männlich dominierten Subjektbegriff heraus. Anhand einer Untersuchung von Todes- und Begehrensdarstellungen in der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Literatur von Frauen eröffnet es einen neuen Zugang zu Artikulationen weiblicher Subjektivität, deren Ursprung es im christlichen Diskurs verankert. Wie vielfach festgestellt wurde, lässt sich in den mystischen Schriften von Julian of Norwich und Margery Kempe eine Nähe zwischen (spirituellem) Begehren und göttlicher Leiblichkeit und Leidensgeschichte beobachten. Beyond Longing geht von einer Kontinuität dieser Themenverschränkung auch über die Reformation hinaus aus und weist eine Nähe zwischen Tod und Begehren auch in säkularen Texten frühneuzeitlicher Dichterinnen nach, in denen die Bildlichkeit christlicher Metaphysik fortbesteht.

 

 

 

 

Portrait der Schriftstellerin Sidonia Hedwig Zäunemann als Poeta laureata (1738)

Babstsches Gesangbuch

Elisabeth Crucigers Lied "Herr Christ, der einig Gottes Sohn" im Babstschen Gesangbuch von 1545

Frontispiz Sibyllen Schwarzin / Vohn Greiffswald aus Pommern / Deutsche Poëtische Gedichte. s. l. 1650

Juliana von Norwich (ca.1342-ca.1413), Kathedrale von Norwich