FONTE Stiftung zur Förderung des geisteswissenschaftlichen Nachwuchses
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Tagung und Publikation

Fotografinnen und Filmemacherinnen schreiben

Organisiert von Prof. Dr. Renate Kroll und Dr. Susanne Gramatzki

Bewerbungsfrist: 28. Februar 2019

Im Januar 2018 erschien im Reimer Verlag, Berlin, der Band Künstlerinnen schreiben Ausgewählte Beiträge zur Kunsttheorie aus drei Jahrhunderten, herausgegeben von Renate Kroll und Susanne Gramatzki. Die Schriften (Briefe, Essays, autobiografische Aufzeichnungen) der in diesem Band versammelten Malerinnen und Bildhauerinnen, die über ihr Leben und ihre Kunst reflektieren, haben eine ähnliche Ausdruckskraft wie das bildkünstlerische Werk selbst: Ziel des Bandes war es denn auch, (sprachlich, literarisch, stilistisch) originelle, ästhetisch anspruchsvolle Texte zu versammeln, die einen künstlerischen Eigenwert besitzen, also nicht nur als Beiwerk zum ,eigentlichen’ bildkünstlerischen Werk fungieren.

Geplant ist nun ein Folgeband, in dem die Schriften von Fotografinnen und Filmemacherinnen in Auszügen präsentiert und kommentiert werden sollen.

Bei Interesse wenden Sie sich bitte bis zum 28. Februar 2019 mit einer knappen Skizzierung des geplanten Beitrags an Renate Kroll (renate.kroll@romanistik.hu-berlin.de) sowie Susanne Gramatzki (gramatz@uni-wuppertal.de). Zu gegebener Zeit, d.h. wenn alle Beiträger_innen ein (ungefähres) Konzept entwickelt haben, soll ein gemeinsames Treffen bzw. ein Werkstattgespräch stattfinden.

Allgemein zur Konzeption

Warum wollen Fotografinnen und Filmemacherinnen, so wie andere Künstlerinnen auch, überhaupt schreiben, sich sprachlich ausdrücken, wenn ihnen doch ihre eigenen künstlerischen Medien schon für den persönlichen wie künstlerischen Ausdruck zur Verfügung stehen?

Ein allgemeiner Konsens scheint darin zu bestehen, dass Texte von Künstlerinnen wichtig sind als Dokumente im historischen Prozess, als Zeit-Zeugnisse, die ihre Epoche und ihre Position innerhalb des sozialen und kulturellen Umfeldes besser erkennen und verstehen lassen.

Wir gehen allerdings davon aus, dass diese Texte nicht nur zum Nutzen und im Interesse eines kunsthistorischen, soziologischen oder anderen Mehrwerts auszuwerten sind. Wir meinen, dass sie auch ein eigenes Ausdrucksmittel, eine bewusst gewählte Ausdrucksform in einem anderen Medium darstellen. Insofern stellt sich die Frage, inwieweit Künstlerinnen in diesem „anderen“, schriftlichen Medium auch ihren künstlerischen Ausdruck gefunden haben.

Ohne eine Neubewertung herbeizwingen zu wollen, soll der Versuch gemacht werden, die Texte jener Künstlerinnen, Fotografinnen und Filmemacherinnen, die das Bedürfnis verspüren, sich neben ihrem primären Material auch über einen Text auszudrücken, hinsichtlich ihrer gedanklichen Originalität und poetischen Kreativität zu untersuchen.

In diesem Zusammenhang kann es auch interessant sein, das sogenannte „Künstlerische“ parallel, d.h. sowohl im gewählten Medium als auch in der sprachlich-literarischen Abfassung zu erkunden. Mit dem „Künstlerischen“ ist die spezifische „Schreibweise“, der individuelle Ausdruck der bi-medial arbeitenden Künstlerin gemeint. Wie sich die beiden, also die textuellen und die bildlich-gestalterischen Ausdrucksformen, zueinander verhalten, ob sie sich ergänzen, durchkreuzen, beziehungslos nebeneinander stehen oder eine symbiotische Einheit bilden, soll in den einzelnen Beiträgen des geplanten Bandes diskutiert werden. Auf jeden Fall soll es Anspruch der Publikation sein, die Eigenart bzw. den Eigenwert der schriftstellerischen Arbeit einer Künstlerin, in diesem Fall einer Fotografin oder Filmemacherin, zu erkennen.

Vielleicht kann so auch ein Beitrag dazu geleistet werden, dass die Künstlerinnen-Texte in der Kunst- bzw. Literaturwissenschaft nicht mehr nur eine quantité négligeable sind: Bisher werden sie in den Wissenschaften vor allem parapiktural behandelt. Parapiktural ist ein Begriff von Michael Glasmeier, der den Begriff Paratexte von Gérald Genette aufgreift und entsprechend umformuliert. So wie also Paratexte das Beiwerk zum Buch sind, die das Buch erst durch Titel, Widmung, Impressum usw. zum wirklichen Buch werden lassen, so stellt sich bis heute das Verhältnis von Text und Bild dar. Der literarische (lyrische, prosaische) Text einer Künstlerin soll aber in unserer Publikation eben nicht nur als Beiwerk zu ihrem bildlichen oder gestalterischen Werk genommen werden. Der Schwerpunkt liegt, um es abschließend zu betonen, auf der „Schreibweise“ im weitesten Sinne. Der Text soll für sich selbst genommen werden, soll für sich selbst stehen können: eben als „selbständiges“ Werk.

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